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Karstlandschaft und Höhlen der Schratteflue – mehr als Steinwüste

Schratteflue in der UNESCO Biosphäre Entlebuch - Mehr als eine karge Steinwüste

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Neben seiner zahlreichen und schönen voralpinen Moorlandschaften ist das Biosphärenreservat auch für seine einzigartigen Karstgebiete von der UNESCO ausgezeichnet.

Karstlandschaft – eine Welt voller Kontraste und Muster

Die «Schratteflue», das offensichtlichste Karstgebirge in der Biosphäre, ist Teil der streng geschützten Kernzone und eine der naturnahsten Karstlandschaften der Schweiz. Sie scheint aus der Ferne praktisch vegetationsfrei und ist effektiv nur spärlich mit Vegetation durchsetzt. Die Schratteflue beeindruckt nicht nur oberirdisch mit bizarren Mustern im Karstgestein, sondern auch unterirdisch mit ihrem weit verzweigten Höhlensystem. Durch die lückige Oberfläche versickert das Wasser direkt in die Tiefen und fliesst in einem riesigen und stark verästelten unterirdischen Wassernetzwerk ab.

Schrattenfluh von Marbach
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Steile und grüne Felsflanken der Schratteflue bei Marbach

Schrattenfluh von Sörenberg
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Die karge Steinwüste der Schratteflue bei Flühli-Sörenberg

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Ob im Winter oder Sommer: Die Schratteflue bietet immer wieder atemberaubende Panoramen auf die Berner Berge. Sie wollen die Schratteflue selber besichtigen?  Hier ein Vorschlag für eine Wandertour. Oder nehmen Sie an einer unserer spannend Höhlen & Karst Exkursionen teil.

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Atemberaubendes Panorama von der Schratteflue auf die Berner Alpen

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Auch im Winter bietet die Schratteflue ein tolles Panorama

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Auf der Schratteflue wachsen einige hübsche Polsterpflanzen und Alpenrosen, welcher die Entlebucher auch «Steiröseli» sagen. Auf der Nordseite befinden sich steil abfallende, zerklüftete Felswände mit grossen Schotterfeldern, die danach in Alpweiden und Moorflächen übergehen. Dank dieser Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen, weist sie eine grosse Vielfalt an unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten auf.

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Zwischen den Spalten der Karstfelsen wachsen typischerweise Alpenrosen

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Mit etwas Glück sehen Sie auch ein neugieriges Murmeli auf der Schratteflue

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Was ist Karst?

Karst beschreibt eine Geländeart welche überwiegend aus Kalkgestein besteht. Das Erscheinungsbild des Gesteins im Karst ist stark durch die Verwitterung von unserem leicht sauren Regen geprägt. Dieser sorgt dafür, dass sich der lösliche Kalkstein auswäscht, was zahlreiche Muster und Höhlen im Gestein hinterlässt. Die Schratteflue ist weltweit Typlokalität für den Schrattenkalk, eine Meeresablagerung aus der frühen Kreidezeit. Die Typlokalität bedeutet, dass an diesem Ort ein Gestein oder Mineral erstmalig wissenschaftlich beschrieben wurde. Im Schrattenkalk eingeschlossen sind zahlreiche Fossilien (versteinerte Muscheln und andere Meerestiere) aus einem früheren Urmeer zu finden.

Mehr zum Karst

Die Kalkschicht weist eine durchschnittliche Dicke von 80 - 100 Metern auf. Die Karrenfelder aus Schrattenkalk weisen einen besonders eindrücklichen Formenreichtum an der Oberfläche auf: Karren, messerscharfe Rillenkarren (sogenannte Schratten), Dolinen (Löcher) und viele mehr.

Das Bergmassiv der Schratteflue besteht aus Sedimenten des früheren Urmeers Tethys, welche vor etwa 100 Millionen Jahren in Norditalien abgelagert wurden und dann mit der Alpenfaltung gegen Norden gestossen wurden. Durch die Prozesse der Alpenfaltung wurden die Meeressedimente über die nördlich liegenden Schichten geschoben, weshalb die Schrattenfluh nun als schräge Platte im Raum liegt und gegen Norden schroff abfällt. Die Karrenfelder der Schrattenfluh sind je nach Höhenlage unterschiedlich bewachsen: Felder in tieferen Lagen sind mit Nadel- und Laubbäumen bewaldet. Oberhalb der Baumgrenze wechseln sich Moore und Wiesen ab. Die Karrenfelder auf oberster Stufe präsentieren sich völlig nackt und vegetationslos. Diese Abstufung hat unter anderem mit der fehlenden Vereisung der obersten Lagen während der letzten Eiszeit zu tun.

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Auf der Schratteflue finden Sie zahlreiche Fossilien

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Der Schrattenkalk weist durch Verwitterung bizarre Muster auf

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Die Karsthöhlen – Ein gigantisches unterirdisches Netzwerk

In der Schratteflue befindet sich ein weit verzweigtes Höhlensystem von über 50 Kilometer Länge. Praktisch alle sind nicht öffentlich begehbar und nur schwierig zu erreichen. In zahlreichen Höhlen wurden von Höhlenforschern interessante Relikte von Bären, Elchen und anderen Wirbeltieren gefunden. Bei diesen Höhlenuntersuchungen wurde 1969 auch ein kleines Insekt entdeckt, das es in der ganzen Welt nur in der Schratteflue gibt (der nur 2mm grosse Pseudoskorpion Pseudoplothrus thiebaudi). Die Höhlen sind ausserdem eine wichtige Überwinterungsstätte für Fledermäuse. Die Silwängen Höhle weist bizarr geformte Tropfsteine auf und kann auf einer geführten Exkursion erlebt werden.

Was Höhlenforscher entdeckten

Seit 1959 sind verschiedene Höhlenforscher daran die Schratteflue mit ihren zahlreichen Zerklüftungen zu untersuchen. Gleich zu Beginn der Forschungen wurde die bisher grösste Höhle, die Neuenburgerhöhle, entdeckt. Sie wurde nach der Herkunft ihrer Entdecker benannt. Mit 7.5 Kilometer ist sie die bis jetzt längste Höhle des Karstgebietes. Neben zahlreichen weiteren Höhlen unterschiedlicher Grössen und Tiefen ist ein unvorstellbar grosses Wassernetzwerk in den Gesteinen der Schrattenfluh versteckt. Der Regen versickert sekundenschnell in den nackten und lückigen Karrenfeldern. Das Wasser fliesst auf der darunterliegenden undurchlässigen Gesteinsschicht (Drusberger Mergel) ab und verschwindet in verborgenen unterirdischen Bächen und Flüssen. Bei einer Wasserfärbung 1970 stellte man fest, dass das Wasser welches in der Höhle P55 (in der Mitte der Schratteflue) eingefärbt wurde, nicht wie angenommen in einem Wasserzulauf der grossen Emme oder der Waldemme gelangt, sondern eine unglaubliche unterirdische Strecke von 20 km zurücklegte, um schlussendlich nach 38 Stunden im Thunersee zu enden. Neue Untersuchungen zeigen, dass die östlichen Teile der Schrattenfluh dagegen wie erwartet in die Waldemme entwässern.

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Unterirdische Karstlandschaft - Die Silwängen Höhle bei Sörenberg

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Bestaunen Sie die Stalaktiten auf einer öffentlichen Exkursion

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